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Wintersemester 2013/2014 | Ein Walfangmuseum in Boston

From The New World | Ein Walfangmuseum in Boston

Mit dem Roman Moby Dick hat Hermann Melville der großen Zeit der amerikanischen Walfänger ein beeindruckendes literarisches Denkmal gesetzt. Die zum Teil drastische Schilderung der Strapazen und Entbehrungen an Bord eines Seglers im 19.Jh. und die facettenreich erzählten Spannungen zwischen Mannschaft und Kapitän bilden nicht nur den Hintergrund eines Abenteuerromans, sondern spiegeln tiefgreifende soziale Umwälzungen und Widersprüche der damaligen Zeit wider. Im Mittelpunkt steht aber stets der gleichsam gefürchtete wie bewunderte weiße Wal, der als Wesen einer uns unbekannten Welt als Symbol einer Urkraft steht. Der Mythos dieser Geschichte fesselt auch heute noch die Leser, die zahlreichen Verfilmungen ziehen die Betrachter nach wie vor in ihren Bann.

Im Zuge einer Anfang November 2013 vom Institut für Entwerfen und Gebäudelehre durchgeführten Exkursion an die Ostküste der USA wurde den Studierenden die Möglichkeit geboten, die Stadt Boston und insbesondere das Entwurfsgebiet am Pier 4 zu besichtigen. Die intensive Beschäftigung mit der Charakteristik des Ortes war ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Entwurfsfindung.

Gegenstand der Aufgabe ist der Entwurf eines neuen Museums auf dem Pier 4 im Boston Seaport District, das an die lange amerikanische Walfangtradition erinnern soll. Zur ständigen Ausstellung des Museums werden original erhaltene Boote ebenso gehören, wie Harpunen, nautische Instrumente, Fernrohre, Seekarten, Logbücher und Schiffsmodelle. Besonders eindrucksvoll sind die Objekte aus Walbein, also Knochen und Zähne, die in der Vergangenheit von den Seeleuten oftmals durch Schnitzereien mit Szenen aus der Waljagd verziert wurden. Den Höhepunkt der Ausstellung bildet das 20 Meter lange Skelett eines Pottwals in einer eigenen Halle. Im Außenbereich wird die Charles W. Morgan ausgestellt, der 1841 in New Bedford gebaute und letzte heute noch erhaltene Walfang-Segler.

Der Seaport District, das ehemalige Stapelgelände des Hafens, stellt eine große städtebauliche Konversionsfläche in direkter Nachbarschaft zur Bostoner Innenstadt dar. Die Stadt Boston sieht in Zukunft vor, dieses Gebiet zu einem verdichteten Wohn- und Geschäftsviertel zu transformieren, das ein hohes Maß an Urbanität verspricht. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den öffentlichen Freiräumen zu sowie der freien Zugänglichkeit der Uferzone. Insgesamt handelt es sich um ein typisch europäisches städtebauliches Modell. Die Schaffung einer „Nachbarschaft“ soll Anonymität verhindern, die in reinen Wohn- oder Bürogebieten häufig vorherrscht. Ein breit gefächertes kulturelles Angebot soll den neuen Stadtteil zusätzlich bereichern und zur Attraktivität beitragen. Beispielhaft für diese Entwicklung steht das bereits realisierte Institute of Contemporary Art (ICA) von Diller Scofidio Renfro.

Den Studierenden war nach der Einführung in die Thematik bewusst, dass die große Herausforderung beim Entwerfen des Walfängermuseums darin liegt, zum einem dem besonderen Ort im Hafengebiet von Boston gerecht zu werden, zum anderen die Ambivalenz aus traditionsreicher Geschichte und zukunftsorientierter Gegenwart architektonisch zu formulieren.

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